Vortrag über IS-Gräuel gegen Jesiden im Nordirak

23.07.2017 15:38

Von: Sven Kemmerzell

Jesidin Shirin spricht vor Winfriedschülern über ihr Leid in IS-Gefangenschaft

Vor einigen Wochen fand in der Gymnastikhalle der Winfriedschule Fulda eine außergewöhnliche Veranstaltung statt. Die junge Jesidin Shirin berichtete vor 120 Schülerinnen und Schülern der zehnten Klassen und der Oberstufe über ihr Schicksal:

Im Jahr 2014 legte Shirin ihr Abitur mit dem Ziel ab, ein Jurastudium unter dem Schwerpunkt Frauenrechte zu beginnen, als im August 2014 Terrormilizen des „Islamischen Staats" (IS) ihr Heimatdorf im nordirakischen Sindschar-Gebirge überfielen.
Anschließend wurde die damals 17-Jährige von den „IS“-Terroristen verschleppt, gezwungen zum Islam zu konvertieren, als Haussklavin gedemütigt, missbraucht, vergewaltigt und insgesamt neunmal wie Eigentum von „IS“-Terrorist an „IS“-Terrorist weiterverkauft.
Erst nach neun Monaten gelang ihr die Flucht in ein Flüchtlingslager im autonomen Kurdengebiet, von wo aus sie über ein humanitäres Hilfsprogramm nach Baden-Württemberg ausreisen konnte. Im Rahmen dieses Hilfsprogramms nahm das Land Baden-Württemberg 1000 schwer traumatisierte Frauen wie Shirin auf und betreute sie umfassend („Kontingentflüchtlinge“).
Jedoch ist das Schicksal ihrer Familie ebenso wenig geklärt wie das Schicksal vieler jesidischer Frauen, die weiterhin im Gewahrsam der „IS“-Terroristen sind.

Am Anfang der Veranstaltung übernahm Johannes Näder von der IGFM-Fulda die Einführung in die geografische und gesellschaftspolitische Lage im Nordirak sowie die Geschichte und Rolle des „IS“.
Anschließend schilderte Shirin ihre Erlebnisse und beantwortete Fragen mithilfe der Übersetzung von Besse Boga, die selbst Jesidin ist. Zudem las Besse Boga zwei Kapitel aus Shirins autobiografischem Buch „Ich bleibe eine Tochter des Lichts“, das Shirin mit Unterstützung der Journalistin Alexandra Cavelius und des Psychologen Prof. Dr. Jan Kizilhan veröffentlichte. Katrin Bornmüller, Ehrenvorsitzende der Deutschen Sektion der IGFM und Organisatorin zahlreicher Hilfstransporte in diese Krisenregion, ergänzte die Veranstaltung mit Erfahrungen aus den Flüchtlingslagern und verwies auf den dringenden Bedarf an humanitärer Hilfe.

Darüber hinaus machte Shirin den Schülern deutlich, wie gerne sie im Irak studiert hätte und in Deutschland studieren würde, aber ihre fehlenden Sprachkenntnisse stünden ihr im Weg. Nichtsdestotrotz belegt die 20-Jährige einen Deutschkurs und unterstrich den besonderen Stellenwert von Bildung.
Außerdem fiel es den Schülern schwer sich bewusst zu machen, dass Shirin nur ein paar Jahre älter ist und schon solch unvorstellbar grausame Erfahrungen machen musste.
Einerseits waren die Schüler von Shirins grausamen Erlebnissen schockiert und ergriffen, anderseits bewunderten sie ihren Mut darüber öffentlich zu sprechen sowie ihr persönliches Engagement dafür zu kämpfen, dass dieser Konflikt und das Leiden der Jesiden nicht in Vergessenheit gerät.

Abschließend diskutierten die Schüler mit Shirin über Lösungsansätze, um den Terrorismus zu bekämpfen und instabile Staaten wie den Irak u.a. durch die Errichtung von Infrastruktur und politischen Strukturen zu stabilisieren. Dabei wurde die Komplexität von politischen und vor allem ethnischen Konflikten deutlich, da der Irak heute faktisch in ethnische Zonen aufgeteilt ist.

Rund eineinhalb Stunden hörten die Schülerinnen und Schüler zu und diskutierten. Das letzte Bild zeigt v.l.n.r.: Studiendirektor Winfried Naas (Aufgabenfeld 2), Besse Boga (Dolmetscherin), Shirin, Katrin Bornmüller (IGFM-Wittlich), Studiendirektor Gunter Goebel und Johannes Näder (IGFM-Fulda/MRZ Cottbus).



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